Wir bauen eine RC Crackerbox RTR

RC Crackerbox? Crackerbox werden kleine, einfache aber übermotorisierte Speedboote genannt. Auf der Suche nach einem Boot, welches ich zusammen mit den Kids zusammenbauen kann, bin ich über die Pläne der Crackerbox auf den Seiten vom „Schiffsmodel Magazin“ gestolpert. Die haben in einer älteren Ausgabe über den Bau der Crackerbox berichtet.

Crackerbox Rc Boat 34

Die Pläne und Baubeschreibung sind von Ebele Schouwstra vom niederländische Kottenpark Modelbouw Club. Warum RTR? Da ich mit dem RC Modellmodellbau erst anfange, werde ich es von Anfang bis „Ready-to-Race“ bauen. Ziel dieser Anleitung soll es auch wieder sein, von NULL anzufangen und den Bau einmal komplett abzubilden.

Doch bevor ich meine Kids dazu hole und zusammen mit den beiden so ein Boot baue, wollte ich es einmal vorbauen um auf sämtliche Formalitäten vorbereitet zu sein.

Welche Materialien werden für den Bau der Crackerbox benötigt?

Ich teile euch das entsprechend der Ausbaustufe ein. Die Listen sind noch nicht fertig.

Materialien für den Rumpf

  • Je nachdem was man schon alles zu Hause liegen die Kosten beim Rumpf zwischen 15-25€
  • 3 Bretter Balsaholz 2,5x100x1000mm (ich habe 3mm Balsaholz genommen) ~10€
  • Pappe (für die Vorlagen)
  • wasserbeständiger Weißleim oder Expressleim, da das Boot eh noch versiegelt wird.
  • 2-Komponentenkleber
  • Porenfüller / Schnellschliffgrund (für die Versiegelung des Holzes)
  • Balsa Spachtel z.B. von Krick
  • Autolack aus der Sprühdose ~ ab 6€

Materialien für den RC-Ausbau

Wer das Boot nicht nur als Staubfänger bauen möchte, benötigt für den Ausbau auf RC folgende Komponenten. Etwa 95€

  • 2S-Lipo mit 350mah von Conrad ~6€
  • Reely GT2 Evo / RC Regler und RC Empfänger (als Set bei Conrad) ~ 30€
  • Motor (Krick MAX Speed 400) ~ 25€
  • Fahrtregler mit BEC (Quicrun WP 1625 brushed) ~ 25€
  • als Set: Schaube, Schraubenwelle d2x160mm, Stevenrohr 140mm (im Set) ~8€
  • Ruder und Aufnahme aus dem 3D Drucker
  • extra Race Schraube mit M2 Gewinde 5€

Alternativ zu den Einzelteilen könnte man sich auch ein Spenderboot bei Ebay bestellen und dann ausschlachten. In den meisten Fällen wird das günstiger sein als alle Teile einzeln zu kaufen. Als weitere Alternative könnte man noch bei üblichen Verdächtigen aus China bestellen. Da kosten die Teile dann noch weniger, wobei in dem Fall mehr Lieferzeit einzuplanen ist. Ebenfalls kann auch das Ruder im Set gekauft werden. Vorgeschladen wurde „als Set: Ruder (2x20x30mm), Ruderwelle (d1,2x65mm), Ruderkoker(ca.1,4mm), Ruderhebel (d0,5mm), Stange, Ruderarm“ für rund 8€. Doch schön ist das nicht wirklich.

Werkzeug

Natürlich wird auch das klassische Werkzeug benötigt. Hier eine Aufstellung falls ihr erst damit anfangt:

  • Baubrett / Unterlage / Schneidunterlage
  • Linale
  • Stecknadeln
  • Hobbymesser / Skalpell Messer
  • Schleifpapier, 120er, 180er, 400er
  • Pinsel

der erste Versuch – wie immer etwas überstürzt 😉

Da die Pläne, bzw. die Vorlagen für die Bauteile wirklich sehr übersichtlich waren, habe ich mich mit meinem Sohn ran gesetzt und die ausgedruckten Vorlagen auf Sperrholz mit Sprühkleber geklebt. Nach dem die Teile ausgesägt und geschliffen waren, kamen erste Zweifel, wie wohl was zusammenkommt und warum das Boot Innenwände hat. Ohne einen Plan, wie wohl was wohin gehört, machte das alles keinen Sinn. Also erst mal wieder in das Internet und weitere Infos gesucht. Doch richtig finden konnten wir nichts. Nur andere Bauanleitungen zu komplexeren Crackerboxen.

der zweite Versuch

Die Monate vergingen, während die ausgesägten Bauteile im Regal lagen und einstaubten. Doch die Lust kam wieder, das Thema RC Crackerbox noch mal auf zunehmen und so ring ich mich durch die Ausgabe 05/2016 vom „Schiffsmodel Magazin“ für knapp 10€ (inkl. Versand) für den ausführlichen Baubericht zu bestellen. Schließlich wurde auf der Downloadseite vom „Schiffsmodel Magazin“ auf den ausführlichen Bericht verwiesen.

Nach ein paar Tagen lag die Ausgabe im Postkasten und die ersten Erkenntnisse kamen. Es ist gut zu sehen, wie der Ebele Schouwstra an den Bau rangegangen ist und dann doch alles seinen Sinn hat. Mit dem Ergebnis „das bekomme ich auch hin“, wollte ich nun eine Materialliste und die ganzen Teile bestellen. Doch da verweist das „Schiffsmodel Magazin“ auf die Webseite vom „Kottenpark Modelbouw Club“. Hm… na spitze.. also wieder gegoogelt und die Seite irgendwann gefunden. Schnell kam die Erkenntnis, dass ich die 10 € für die Ausgabe 05/2016 vom „Schiffsmodel Magazin“ hätte sparen können, da wirklich alles auf der Webseite vom „Kottenpark Modelbouw Club“ zur Crackerbox zu finden ist. Wieder eine Erkenntnis reicher.

  • https://kottenparkmodelbouwclub.com/zelf-bouwen/bouwbeschrijvingen/boten

Wichtig zu wissen, die Vorlage für den Boden und das Deck sind nur einseitig und müssen beim Bau gespiegelt werden! Wer darauf keinen Bock und es lieber direkt richtig ausschneiden möchte, kann die komplette Vorlage (auf Din-A3 ausdrucken) für den Rumpf hier laden.

Erstaunlich, auch für dieses Boot wird der Rumpf aus Balsaholz gebaut. Somit wären wir schon beim ersten Versuch mit dem Steifen Sperrholz gescheitert.

weiter mit dem Rumpfbau

Doch ein paar Dinge würde ich etwas anders machen, wie zum Beispiel Deck und Boden in einem Stück ausschneiden. Die Vorlagen findet ihr ja wie bereits gesagt weiter oben auf dieser Seite. Zudem ergänze ich noch ein paar Dinge die ich anfangs nicht ganz verstanden habe.

Alles vorher ausschneiden, macht wenig Sinn. Habe ich auch gemacht und dabei doch einiges an Balsaholz verbraten. Sinnvoll ist es erst mal nur die Spanten, Hilfsspanten und größeren Balsabrettchen vorzubereiten.

Vorbereitungen für Deck, Boden und Seitenwände

Das 1000x10mm lange Balsaholzbrett könnt ihr schon in 4 25x10cm lange Teile schneiden und an den 25cm Rändern zu einem 25x40cm Brettchen zusammenkleben. Wenn der Kleber getrocknet ist könnt ihr die Übergänge mit 180er Schleifpapier bearbeiten, sodass die Stöße nicht mehr zu erkennen sind. Werden aus dem nun großen Balsabrett Deck und Boden ausgeschnitten.

die äußeren Seitenwände

Das 1000x10mm lange Balsaholzbrett könnt ihr schon in 4 13x10cm lange Teile schneiden und an den 13cm Rändern zu einem 13x40cm Brettchen zusammenkleben.

Und los geht es

Im Ergebnis erhält man ein Doppelwandiges Boot, welches aufgrund der getrennten Wände und abgeschlossenen Sektion nicht so schnell sinken sollte.

Am besten schaut Ihr euch die Baubeschreibung an und arbeitet die Arbeitsschritte wie beschrieben ab. Alles Schritt für Schritt an dieser Stelle nach zu erzählen macht nur wenig Sinn. Schließlich ist die Anleitung zum Bau der Crackerbox des Kottenpark Modelbouw Clubs ziemlich vollständig. Ich möchte nur ein paar Infos ergänzen.

Es macht schon Sinn, vorher einmal beide Videos anzusehen und auf die Handgriffe zu achten. Da kann man gerade als Einsteiger noch was lernen. Ganz am Stück muss man sich die Videos aber nicht antun.

Doppelwand: ihr baut mit Hilfe der Hilfsspanten als erstes das Spantengerüst und das „Innenleben“ mit den inneren Wänden der Crackerbox. Die Hilfsspanten (Bauteile mit H+“Nummer“ z.B. H1) werden später entfernt. Ist das Spantenmodel gebaut und ausgehärtet, werden der überstehende Boden und das überstehende Deck zentriert raufgeklebt. Im Anschluss kommen die Seitenwände ran.

Zum Verkleben von Rumpf und Deck hatte ich Verstärkung von den Kids beim Einleimen. Fixiert wurde die Bauteile dann mit den Bastelnadeln und 2,5kg Kartoffeln und einen Ferrari F50 als Gewicht. Man gönnt sich ja sonst nichts 😉

Der Zwischenstand – Rumpf ist fertig

Wenn ihr alles richtig gemacht habt, sollte der Rumpf der Crackerbox nun etwa so aussehen. Wie ihr seht, habe ich den Rumpf an einigen Stellen noch mal mit Balsa Spachtel gesprachtelt, damit die unschönen Vertiefungen und Ausbrüche verschwinden. Sicherlich kann man den Spachtel und Schleifschritt noch bis ins unendliche treiben, doch das wollte ich dieses mal nicht.

Balsaholz – Rumpf gegen Wasser abdichten

Nun ist er Rumpf augenscheinlich fertig, doch noch lange nicht beständig gegen das Wasser. Wir haben nun mehrere Möglichkeiten den Rumpf aus Balsaholz resistent gegen Wasser zu machen:

  • Epoxidharz und Glasfasermatte rauflaminieren, Vorteil: Laminat verstärkt auch die Strukturen, Nachteil: aufwendiger als einpinseln
  • Rumpf Lackieren, vorher Porenfüller, Vorteil: fix gemacht an einem Abend, Nachteil: der Rumpf wird dadurch nicht robuster

Auf die große Runde mir Laminieren habe ich dieses mal keine Lust. Der Aufwand hatte mir schon beim Standmodell des 505er gereicht. Somit habe ich mich entschieden, 2-3 Lagen Porenfüller aufzutragen. Nachdem jede Schicht getrocknet ist, bin ich mit 400er Schleifpapier rüber. Im Ergebnis erhält man dann eine recht glatte und gleichmäßige Oberfläche! Sicherlich könnte auch ohne Porenfüller lackiert werden, doch dann würde man die ganzen Unebenheiten und Holzfäden sehen. Wenn ich die Holzstruktur erhalten lassen wollen würde, wäre ich nach dem Porenfüller schon fertig.

Rumpf lackieren

Nachdem der Rumpf mit Porenfüller versiegelt und gegen das Wasser geschützt ist, wird er gründlich geschliffen, sodass er kaum noch Unebenheiten aufweist. Ich habe darauf verzichtet und bin nach kurzen Schleifen gleich zum Füllern/Grundieren und Lackieren übergegangen. Im einzelnen könnt ihr die Arbeitsschritte über das Lackieren der Crackerbox einem anderen Bericht nachlesen. Klick

Einbau der RC Komponenten und Elektronik

Nach dem der Rumpf nun in einem frischen Lila Metalic erstrahlt, widme ich mich wieder dem Antrieb. Stevenrohr, samt Welle und Schraube wollen montiert werden. Eine Passende Öffnung im Boden des Rumpfes hatte ich schon bereits vorbereitet.

Der Unterbau für den Elektromotor, der etwas angewinkelt eingebaut wird, habe ich aus zusammengeklebten Balsabrettchen geschliffen.

Das Stevenrohr ist ebenfalls platziert und eingeklebt mit Wasserfestem Leim. Eine genaue Abdichtung kommt noch sobald alle Komponenten an ihrem richtigen Platz sind.

Ich gebe, zu der Anblick von Empfänger, Fahrtregler, Lipo und Ruderservo bereitet mir schon etwas Panik, da das alles in den Boot reinpassen muss. Beim Bestellen der Komponenten hatte ich extra auf die kompakte Bauweise geachtet, trotzdem wird es eng.

Doch irgendwie findet doch alles seinen Platz. Den Motor fixiere ich mit Dracht auf dem Motorhalter und als Wellenkupplung habe ich einen Dübel durchgesägt, 2mm Loch gebohrt und mit Sekundenkleber auf die beiden Wellenenden geklebt. Verbunden sich nun beiden Wellen über ein Stück Schrumpfschlauch, der auf dem Dübel sitzt.

Die Sache mit dem Ruder hatte ich mir in der Tat anders vorgestellt. Ich dachte dass das Ruder wie beim Original unter dem Boot sitzt, doch so war es hier nicht. Also habe ich meinen Segelkumpel Iven kontaktiert, der mir fix ein Ruder mit dem 3D-Drucker erzeugt hat. So sieht es Sieht super aus.

Zum Schutz der Elektronik habe ich mich noch dazu entschieden, den Bereich um den Motor abzudecken. Dazu habe ich fix eine Motorhaube aus Balsaholz (3mm dick) angefertigt, etwas gespachtelt, geschliffen mit 800 und 1200 Schleifpapier, grundiert und lackiert.

die fast fertige Crackerbox

So sieht sie nicht nun aus. Die „fast“ fertige Crackerbox. Es fehlen nur noch ein paar wenige Details. Die Probefahrt hatte sie auch schon bestanden.

weitere Seiten zur Crackerbox

  • https://www.schiffsmodell-magazin.de/downloads/bau-der-crackerbox-fuer-einsteiger/
  • https://kottenparkmodelbouwclub.com/zelf-bouwen/bouwbeschrijvingen/boten

Hintergründe über die Crackerbox

Man könnte die in der Regel aus Sperrholz und selbstgebauten Crackerbox auch als „Hot Rod auf dem Wasser“ nennen. Flach, minimalistisch und mit einem v8 Motor übermotorisiert, verlangten die 4,5 bis 5 Meter langen Crackerboxen den Fahrern viel fahrerisches Können ab. Höchstgeschwindigkeiten bis 135 hm/h waren schon in den 1950er Jahren möglich. Die erste Crackerbox entstand wohl 1937 irgendwo in Kalifornien (USA), wo auch heute noch diese schnellen Boote eine weiter Verbreitung finden und eine lebendige Rennszene existiert.

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