Nach dem ich mir Anfang August 2009 die linke Schulter im Schlaf ausgerenkt hatte, hatte ich von den ganzen Schulterluxationen die Schnauze voll. Nachts aufzuwachen und festzustellen, dass der Schulterkopf (Humerus) nicht mehr da ist, wo er hingehört, ist ein großer Schock. Dazu die plötzliche Feststellung, ohne weitere Hilfe nicht mal Hilfe holen zu können, ist wirklich der GAU. Glücklicherweise wachte damals durch meine Schmerzgeprägte Atmung meine Freundin auf, welche mir damals in die vertikale half und mich anschließend Uniklinik fuhr. Wäre Sie nicht da gewesen, würde ich wohl immer noch im Bett mit einer ausgerenkten Schulter liegen 😉

Die Lösung … Labrumrefixation? Oberarzt Fechtner (KMG Klinikum) hatte im letzten Jahr eine für  mich sehr gute Referenz seiner Arbeit an meiner damals stark beschädigten Schulter hinterlassen, was ihm gleich hierfür ohne Zweifel qualifizierte. Zunächst ließ ich ein MRT durchführen, um den Zustand der Schulter nach den 4 Luxationen zu begutachten. An dieser Stelle muss ich das Klinikum Rostock kritisieren, da die das MRT nicht vor der OP machen wollten… Beim MRT wurde nur ein Labrumdefekt festgestellt, was zu erwarten war.  Das Labrum ist ein Knorpel, der um die Gelenkpfanne herumsitzt und meistens bei einer Schulterluxation abgerissen wird. Ist das Labrum erstmal angerissen, ist ohne operative Hilfe nichts zu machen und eine weitere Schulterluxation ist vorprogrammiert.

Eine Labrumrefixations ist heutzutage dank der Athroskopie bzw. Knopflochchirurgie kein großer Eingriff mehr.  Über zwei kleine Schnitte wird das Labrum per Push-Lock wieder an die richtige Stelle gebracht und fixiert.

Am 22.10.09 (Donnerstag) um 8  Uhr war es dann soweit. Ich war der Erste für den Tag…

Die Operation wurde bei einer lokalen Anästhäsie durchgeführt. Dabei wird durch einen Katheder am Hals der Nervenstrang des Arms betäubt, was den Arm komplett gefühlslos und taub macht. Damit ich nicht allzu viel von der OP mitbekomme, bekam ich ein paar „Umdrehungen“  wie es der Anästhäsist so schön nannte J Die Operation verlief für mich schmerzfrei, benebelt und innerhalb gefühlter 5 Minuten. In Wirklichkeit dauerte die OP bestimmt Einiges länger. Während der OP lag ich seitlich. Mein linker Arme wurde abgespreizt von meinem Körper fixiert.  Ich merkte während der gesamten OP nur, wie der Oberarzt Fechtner an der Schulter herum werkelte. Das Bohren, das Hämmern …unangenehm war es überhaupt nicht. Zum Schluss müssen die Operateure noch ganz schön mit dem Wasser herum gesaut haben, als sie die Schulter ausgespülten. Auf der Plane, welche meinen Kopf bedeckte, platterte plötzlich das Wasser, was mich an einen Regenschauer im Sommer erinnerte…

Nach der OP lag ich noch einige Zeit im Aufwachraum, wo ich schon bewusster meinen Tauben Arm spürte, der durch den Gilchristverband fixiert wurde. Es war sehr merkwürdig. Der Arm war warm, und schien nur an mir herum zu hängen. Meine Anstrengungen, die Finger zu bewegen waren vergebens. Der Arm war nutzlos…

Als ich gegen 11 Uhr wieder zurück auf mein Zimmer der Station E3 kam, war ich wieder gut bei Sinnen. Gegen 12 Uhr gab es dann Mittag, was sich für mich als ein Fehler herausstellte.  Dieses Jahr wollte ich nicht wie im letzten Jahr Ewigkeiten mit Hunger und Durst nach der OP im Bett herumliegen. Weshalb ich gerne auch Mittag haben wollte. Warum nicht? Keiner hatte es mir verboten J So bekam ich Kartoffeln mit Hackbraten, was mir zunächst gut schmeckte. Doch kaum war das Mittagessen verputzt, überkam mir ganz plötzlich die Übelkeit. Ich konnte der Schwester gerade sagen, dass ich mich wohl gleich übergeben müsse…Im nächsten Moment träumte ich wohl, mich plötzlich jemand rief. „Herr Jäkel, Herr Jäkel…“Es schien mir, aus dem Tiefschlaf gerissen zu werden, als ich die Augen aufmachte, schauten mich plötzlich 5 Leute an, die allesamt um mein Bett standen. „Herr Jäkel, wissen Sie was passiert ist?“. Ich wusste es nicht. Meine letzte Erinnerung war „…, ich glaube ich muss mich gleich übergeben…“. Dieser kleine Ausritt trieb meinen Bekanntheitsgrad auf der Station gleich in die Höhe. Im 10 Minutentakt wurde dann der Blutdruck gemessen und sich nach meinem Wohl erkundet. Der Anästhäsist und eine Neurologin überprüften mich und einige Zeit später wurde entschieden, den Schmerzkatheder vorsichthalber zu entfernen.  Anschließend ging es zum EEG, wobei nichts Ungewöhnliches auffiel.

Im letzten Jahr hatte ich den Schmerzkatheder gut verkraftet. Der einzige Unterschied war aus meiner Sicht nur, dass ich nicht 3 Stunden nach der OP was gegessen habe. Also Vorsicht! Verzichtet lieber auf eine Mahlzeit unmittelbar nach einer OP! Empfehlenswert ist das nicht 😉

Erst abends ca. 11 Stunden nach der OP, gehörte der Arm wieder mir und machte wieder das, was ich wollte J Was war ich froh, die Finger bewegen zu können. Erst jetzt war ich beruhigt. Als Computeradministrator sind die Finger mein Arbeitsmittel …

Die erste Nacht verlief ganz gut. Ohne Schmerzkatheder und nur einem „Schmerzschnäppschen“ waren kaum Schmerzen zu spüren. Nur bei Bewegung merkte ich ein wenig Schmerz, der gut zu ertragen war. Schlimmer waren da eher meine zwei Zimmergenossen, welche um die Wetter schnarchten 😉

Die nächsten Tage kam ich ohne Schmerzmittel aus. Das „Schmerzschnäppschen“ gönnte ich mir nur zur Nachtruhe, weil der so lecker war 😉

Am 21.10.09 (Montag) kam die große Visite. Ich hatte große Hoffnung geschürrt, endlich Entlassen zu werden. Die Ärzte konnten sich, als Sie mich sahen gut an mein Maleur und der damit verbunden Operation im letzten Jahr erinnern. Sie begutachteten zuerst die rechte Schulter und waren sehr überrascht, wie beweglich die rechte Schulter nach der offen Bankart-OP mit knöchernem Bankart ist. Die Schulter hatte der Oberarzt Fechtner super hinbekommen, worauf er und ich sichtlich stolz waren. Mein Kommentar „Tja, super Arbeit gemach.“. Etwas später wurde der Zustand mit Bewegungsfotos dokumentiert und dient nun sicherlich auch als Referenz J Anschließend wurde die linke Schulter begutachtet und der Vorfall nach der OP besprochen. Sehr wahrscheinlich lag der Krampfanfall wohl an der Giftmische. Laut dem Oberarzt Fechtner passiert das 1 bis 2 Patienten, welche mit diesem Betäubungscocktail für die OP ausgeschaltet werden.  Sicherlich tat das übereilte Mittagessen sein übriges.

Abschließend kann ich nach der jetzigen Erkenntnis nur zu dieser OP raten. Die athrospokische Labrumrefixation ist wirklich sehr schonend und mit wenig Schmerz verbunden. Mit dem Eingriff im letzten Jahr ist der Eingriff keines Falls vergleichbar. Damals wurde die Schulter über einen ca. 10 cm langen Schnitt geöffnet und der Humerus mit Spongiose aus dem Hüftkamm wieder in Form gebracht. Die damit verbundenen Schmerzen waren schon enorm.

Ab nächste Woche geht’s dann endlich mit der Physiotherapie los und dann wird es sicherlich nochmal schmerzhaft. Erst danach wird sich zeigen, ob der Eingriff für mich erfolgreich war und die Schulter wieder stabil ist. Erstaunlicherweise ist die Wahrscheinlichkeit der weiteren Schulterluxation nach der Labrumrefixiation noch irgendwo zwischen 10 bis 90%! Die Wahrscheinlichkeit den Aktivitäten zusammen, die ein junger Mensch noch ausübt. Mit dem Alter sinkt normalerweise die Wahrscheinlich der weiteren Schulterluxation. Meinerseits habe ich mit der Labrumrefixation den ersten Schritt für eine stabile Schulter gemacht. Alles Weitere wird sich zeigen und vielleicht auch die Ein oder Andere Risikobewegung vermeiden.

athroskopische Labrumrefixation – Erfahrungsbericht

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